Besuch in der Kronenhof-Intensivpflege

Die weitläufigen Gebäude der früheren Erkheimer Molkerei wurden inzwischen umgebaut. Im ehemaligen Hallenteil am Molkereiweg befindet sich nun auf einer Grundfläche von ca. 600 m² eine ambulant betreute Wohngemeinschaft. Diese wurde im Dezember 2015 eröffnet.

Bei einem Besuch beantworteten Frau Sabine Heberer, stv. Geschäftsführerin, und Frau Brigitte Kis, Teamleitung der Wohngemeinschaft, unsere Fragen.

ECHO: Wer steht hinter der „Kronenhof-Intensivpflege“ und in welchen Arbeitsfeldern sind sie tätig?

Sabine Heberer: Wir sind einprivater Fachpflegedienst für außerklinische Intensivpflege.  Derzeit betreiben wir neben Erkheim noch zwei weitere Wohngemeinschaften. Wir sind kein Heim, sondern alle hier lebenden Bewohner haben Mietverträge für ihren persönlichen Bereich. Die eigene Wohnung besteht aus dem persönlichen Zimmer mit der dazugehörigen Nasszelle.  Alle weiteren Funktionsräume (Gemeinschaftsbad, Aufenthaltsbereich, Küche usw.) werden gemeinschaftlich genutzt. Die eigentliche Pflege und medizinische Betreuung organisieren wir über einen ambulanten Pflegedienst. Dabei sind rund um die Uhr Fachkräfte anwesend.

 

ECHO: Welche Personen werden von Ihnen betreut und wie sieht ihr Alltag aus?

Brigitte Kis: Alle hier lebenden Menschen haben gemeinsam, dass sie intensiv pflegerisch und medizinisch betreut werden müssen. Sie brauchen permanente und dauerhafte Überwachung der Herzfrequenz und der Atmung. Deshalb ist ihre Lebensfähigkeit von vielen technischen Geräten wie Sauerstofftanks, Beatmungsmaschinen und dergleichen abhängig, ebenso muss regelmäßig Sekret abgesaugt werden.

Daneben arbeiten wir sehr eng mit Physio- und Ergotherapeuten und Logopäden zusammen, um noch vorhandene Fähigkeiten zu erhalten oder zu verbessern. Zumeist können die Patienten auch nicht sprechen und wir lernen über andere Formen mit ihnen zu kommunizieren.

Die Bewohner werden gefördert und weiterentwickelt. So kann es für uns ein großer Fortschritt sein, wenn jemand wieder einzelne Worte sprechen oder kleine Dienstleistungen wie die Mithilfe beim Kuchenbacken verrichten kann. Dadurch wollen wir an das frühere Leben der Menschen anknüpfen.

Sabine Heberer: Man kann sich die Arbeit in dieser Wohngemeinschaft wie eine medizinische Intensivstation ohne angebautes Krankenhaus vorstellen. Wir arbeiten mit einem hohen Personaleinsatz, um bei unseren Bewohnern Krankheiten und lebensbedrohliche Krisen zu vermeiden. Ohne diesen massiven Einsatz von Personal und medizinischem Gerät wären unsere Bewohner nicht lebensfähig. Uns zeichnet aus, dass dabei alle, trotz dieser Intensivmedizin, in einer eigenen Wohnung leben können.

 

ECHO: Wie viele Personen können Sie in Erkheim betreuen und woher kommen diese?

Brigitte Kis: Maximal wäre Platz für zehn Mieter, momentan werden aber sieben Personen in der Wohngemeinschaft betreut.Die Belegung wechselt immer wieder, da Personen versterben.  Bei der Sterbebegleitung arbeiten wir eng mit den Angehörigen und mit dem Hospizdienst „Pallium“ zusammen.

Unsere Bewohner haben bei Unfällen und internistischen Notfällen, z.B. Schlaganfall, Herzinfarkt, verschiedene Zustände nach einer Reanimation, schwerste Schädigungen erlitten. Bei unseren jüngeren Bewohnern ist es oft auch eine angeborene Behinderung gegeben. Zu uns kommen diese nach abgeschlossener Rehabilitation aus den entsprechenden Kliniken. Zumeist müssen die Aufnahmen innerhalb weniger Tage erfolgen,  da in den Reha-Einrichtungen die Kostenzusagen der Krankenkassen ablaufen. Uns erreichen Anfragen aus ganz Bayern, manchmal sogar noch von weiter her. Diese Situation ist für die Angehörigen sehr belastend, da sie sich in kurzer Zeit um viele Dinge,  wie einen geeigneten Pflegeplatz, Anträge und Kostenklärungen mit vielen Behörden und Institutionen kümmern müssen. Im Rahmen unserer Möglichkeiten helfen wir dabei.

 

ECHO: Wie gefällt es Ihnen in Erkheim und konnten sie hier schon Kontakte knüpfen?

Sabine Heberer: In den ersten Monaten war unser Augenmerk darauf gerichtet, unsere Abläufe innerhalb der Wohngemeinschaft zu festigen und einen Mitarbeiterstamm aufzubauen. Wir leben und arbeiten in sehr hellen und freundlichen Räumen, das macht schon Spaß. Ob wir nach draußen oder auch zu Veranstaltungen gehen können, hängt sehr stark von der momentanen gesundheitlichen Verfassung der Mieter im Haus ab. Das lässt sich oft nicht gut planen, denn auch bei Spaziergängen muss immer eine Fachkraft dabei sein. Da wäre es manchmal hilfreich, wenn uns noch weitere Begleitpersonen unterstützen könnten.

Über den Besuch der Erkheimer Klausen haben wir uns letztes Jahr sehr gefreut. Gerne hätten unsere Bewohner noch häufiger Besuch, um ihren Alltag abwechslungsreicher zu gestalten. Wenn uns in diesem Punkt jemand unterstützen will - einfach anrufen oder auch vorbeischauen. Wir freuen uns auch über Besucher. Frau Kis ist unsere Ansprechpartnerin im Haus und vermittelt dabei.

 

ECHO: Herzlichen Dank für das Gespräch

v.l.: Brigitte Kis, Sabine Heberer