Gedenkfeier beim Kriegerdenkmal am Volkstrauertag

2015-11-15: Am Volkstrauertag gedachte die Erkheimer Bevölkerung der Vermissten und Gefallenen der beiden Weltkriege. Die Redner, Bürgermeister Christian Seeberger und Georg Müller, Vorsitzender der Soldaten- und Reservistengemeinschaft Markt Erkheim, gingen dabei auch auf die Terroranschläge in Paris ein.

Umrahmt wurde die Feier von der Musikkapelle Markt Erkheim und dem Sängerbund Markt Erkheim.

Rede von Bürgermeister Christian Seeberger

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
verehrte Anwesende,

Krieg und Terror sind das Grausamste, was Menschen und Völker einander antun können. Diese Erkenntnis müssen wir uns immer wieder, und gerade an diesem Tag wie heute, vor Augen führen. Terror und Krieg sind leider unter uns in Europa. Denn so selbstverständlich und nachvollziehbar mein erster Satz ist, so sehr gerät das Bestreben nach Frieden und humanem Zusammenleben immer wieder aufs Neue in Gefahr.

Es vergeht kein Tag, auch vor der Nacht vom 13. November 2015, an dem in den Medien nicht über kriegerische Auseinandersetzungen berichtet wird. Es vergeht kein Tag, an dem nicht Menschen ihr Leben verlieren, weil Menschen aufeinander schießen. Und es vergeht kein Tag, an dem nicht Menschen ihre Gesundheit einbüßen, weil sie der Gewalttätigkeit anderer Menschen ausgesetzt sind. Seit der Nacht von Freitag auf Samstag sind diese Tatsachen uns wieder viel stärker bewusst geworden.

Es vergeht kein Tag, an dem sich Menschen nicht voller Hass und gegenseitiger Verachtung gegenüberstehen und bereit sind, dem Nächsten bis aufs Äußerste an Leib und Leben Schaden zuzufügen.

Bei all dem Leid, das Menschen anderen Menschen antun, vergeht allerdings auch kaum ein Tag, an dem nicht aufgerufen wird, Frieden zu schaffen und Konflikte mit anderen Mitteln als mit unvorstellbarer Waffengewalt lösen zu wollen. Wissend, dass Waffen keine Lösungen herbeiführen, sondern neue Gewalttätigkeiten hervorbringen.

Manchmal keimt die Hoffnung auf, Appelle, Friedensbemühungen und Verhandlungen verantwortungsbewusster Staatsmänner könnten dazu führen, Konflikte auf andere Weise als durch Waffengewalt zu lösen oder gar den Ursachen der gewaltsamen Auseinandersetzung beizukommen. Diesen Bestrebungen folgt meist sehr schnell die Ernüchterung.

Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass trotz aller Anstrengungen es nicht gelungen ist, Mittel und Wege zu finden, um kriegerische Auseinandersetzungen dauerhaft in einen friedlichen Zustand zu überführen. Dieses Menschheitsziel ist in weite Ferne gerückt. Denn auch nach 70-jährigem Ende des Zweiten Weltkrieges, auch nach dem Ende des sogenannten „Kalten Krieges" mit seinen Bedrohungen und Konflikten aus dem Osten, wurden die Hoffnungen enttäuscht, eine dauerhaft friedliche Epoche der Weltgeschichte erleben zu können. Die aktuellen Flüchtlingsströme oder die menschenverachtenden Terroranschläge von Paris bezeugen leider etwas anderes.

Mögen die großen nationalen Auseinandersetzungen auch etwas in den Hintergrund getreten sein, so haben sie weltweit innerstaatlichen Unruhen und Bürgerkriegen Platz gemacht. Die inneren Konfliktpotenziale waren durch die nationalen Gewalten vielfach nur unterdrückt worden und sind mehr und mehr aufgebrochen. Die Friedensforschung erkennt zunehmend Ursachen von gewaltsamen Auseinandersetzungen in der Verelendung großer Teile der Erde und terroristischer Aktivitäten.

Der Volkstrauertag erinnert uns an die Kriegstoten und Opfer von Gewaltherrschaft aller Nationen. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat sich vor über neunzig Jahren, wenige Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, dafür eingesetzt, dass an diesem Tag der in diesen Kämpfen gefallenen deutschen Soldaten gedacht wird. Diese Tradition wurde nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wieder aufgenommen. Wir sehen darin eine verpflichtende Tradition. Wir sehen darin eine Tradition, die uns nicht vergessen lassen soll, dass der Krieg keine unbeeinflussbare „Naturgewalt" ist, der nichts entgegengesetzt werden könnte. Denn Krieg und Terror sind der Feind, den es zu besiegen gilt.

Was wir brauchen ist die Ablehnung von Gewalt und Grausamkeit – im Innern wie im Äußeren. Daraus erwächst eine Mahnung zum Frieden, zur Freiheit und zur Demokratie. Wir dürfen heute und in Zukunft nicht zulassen, dass die Hoffnungen der Millionen, die auf den Schlachtfeldern ihr Leben lassen mussten, vergeblich waren.

Unser tiefes Mitgefühl ist heute ganz speziell bei unseren französischen Freunden. Wir fühlen mit ihnen in all dem Schmerz und der Trauer. Wir wünschen unseren Nachbarn viel Kraft diese Menschenverachtende Taten zu verarbeiten. Unsere Demokratie muss stärker sein als all der Terror.

Ich danke Ihnen für Ihr aktives Mitwirken. Ich danke allen, die am heutigen Tag dieser Zeremonie beigewohnt haben – ein besonderer Dank unseren Fahnenabordnungen für die Teilnahme und den Verantwortlichen der Soldaten- und Reservistenkameradschaft Markt Erkheim für ihr aktives Wirken in unserer Marktgemeinde.

In Ehrfurcht vor den Toten der beiden Weltkriege und der Opfer von Gewaltherrschaft sowie aller Kriegsopfer und im Dienst gestorbenen Soldaten weltweit legen wir als Zeichen des Gedenkens diesen Kranz nieder.

Rede von Georg Müller, Vorsitzender der Soldaten- und Reservistenkameradschaft Markt Erkheim

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,
liebe Kinder und Jugendliche,
liebe Kameraden,

das Gedenken am Volkstrauertag führt Menschen mit völlig unterschiedlichen Lebenserfahrungen, Erinnerungen und Schicksalen zusammen. Unter uns leben solche, die noch den NS-Terror, den Zweiten Weltkrieg, die Bombennächte, sowie Flucht und Vertreibung miterlebt haben, aber auch Angehörige der Nachkriegsgenerationen, die in friedlicheren Zeiten aufwachsen durften und junge Leute, die so leben können, als wären Frieden und Freiheit hier in Europa ganz normal.

Das Jahr 2015 ist ein besonderes Jahr, jährte sich doch das Ende des 2. Weltkrieges zum 70. Mal.

Die ganze Welt, insbesondere Europa und speziell wir in Deutschland, gedachten dem Ende des 2. Weltkrieges. So steht der Volkstrauertag 2015 ganz im Zeichen des Ende des letzten verheerenden Krieges, den die Welt erlitten hatte, aber auch der Probleme, die die Kriege und Terroranschläge im Nahen Osten, in der Ukraine, Asien und vielen anderen Teilen der Welt in der Neuzeit mit sich gebracht haben.

Es war der zweite, weltweit geführte Krieg aller damals führenden Großmächte des 20. Jahrhunderts und stellte den bislang größten militärischen Konflikt in der Geschichte der Menschheit dar. Direkt oder indirekt waren über 60 Staaten am Krieg beteiligt, über 110 Millionen Menschen standen unter Waffen. Die Zahl der Kriegstoten weltweit liegt zwischen 60 und 70 Millionen.

70 Jahre später hat Deutschland seine Rolle in Europa und in der Welt weitgehend gefunden. Die Menschen in Europa sprachen bisher über Frieden und Freiheit, Wohlstand, Spracherwerb und Schüler- und Gedankenaustausch in der EU und darüber hinaus.

Und nun erleben wir die grausamen Attentate in Paris und sind fassungslos über solch eine Brutalität und Unmenschlichkeit, die mit normalen Argumenten nicht zu beschreiben sind.

Wir wollen auf keinen Fall übersehen, dass vor 60 Jahren die Bundeswehr gegründet wurde. Die Soldaten der Bundeswehr, im Verbund mit allen NATO-Partnern, haben durch ihren sehr hohen Ausbildungsstand wesentlich zur Erhaltung des Friedens in Europa beigetragen.

Welchen Weg soll die Europäische Union gehen? Die Menschen dachten, sie wüssten, dass Europa eine große Errungenschaft ist, auch weil es in den vergangenen 70 Jahren den Krieg hinter sich gelassen hat. Europa hat eigentlich eine einzigartige Erfolgsgeschichte von Versöhnung und Aussöhnung erlebt.

Die Länder Europas entscheiden heute viele Probleme nicht mehr allein national, denn Themen wie zum Beispiel Datenschutz, oder Sicherheits- und Flüchtlingspolitik können nur auf europäischer und internationaler Ebene gelöst werden. Dieses Zusammenwirken wurde in den letzten Jahren immer wieder als Erfolg dargestellt und gefeiert.

Der neuerliche Terroranschlag in Paris wird auch hier einiges verändern und zeigen wie solidarisch Europa wirklich ist.

Auf welch wackligen Beinen die europäische Union allerdings wirklich steht, zeigt sich in den letzten Monaten, in denen fast eine Million Flüchtlinge vom Balkan, aus dem nahen Osten, Asien und Afrika unsere Grenzen passiert und Asyl beantragt haben. Wo bleibt die Solidargemeinschaft Europäische Union, wenn es nicht nur darum geht, möglichst viel Geld aus den Töpfen der Europäischen Union zu erhalten, sondern Menschen, die zum großen Teil in ihren Heimatländern unter unsäglicher Gewalt litten, mit dem Tode bedroht oder vertrieben wurden, Asyl zu gewähren und sie zumindest für einen begrenzten Zeitraum in den Ländern der EU aufzunehmen?

Der Freistaat Bayern und vor allen Dingen seine Bürger, die selbstlos Hilfestellungen bei der Erstversorgung der Flüchtlinge leisten, vollbringen hier von Anfang an eine sehr große Leistung. Das ist sehr anerkennenswert und man darf nicht vergessen, dass wir schon einmal eine große Zahl von Flüchtlingen und Vertriebenen in unserem Staat aufgenommen und in die Gesellschaft integriert haben.

Unsere diesjährige Skulptur wird diesen Überlegungen gerecht. Sie zeigt zwei Weltkugeln, auf der einen Welt leben Menschen, denen es soweit gut geht, auf der anderen Welt leben Menschen, die verfolgt und mit dem Tode bedroht wurden, denen es also sehr schlecht geht. Wir glauben, dass es unabdingbar diesen Brückenschlag zwischen den beiden Welten geben muss, den wir hier auch dargestellt haben und wir dürfen uns auch von terroristischen Anschlägen davon nicht abbringen lassen.

Also müssen wir die Schwächen der Solidargemeinschaft überwinden und die Europäische Union in ihrer friedensstiftenden Funktion stärken, sie als Wertegemeinschaft weiter entwickeln und uns vor allem von rechtsradikalem Gedankengut distanzieren.

Zäune zu bauen, oder die Schiffe auf dem Mittelmeer zur Umkehr zu zwingen, ist sicher nicht der richtige Weg, die Flüchtlinge lassen sich dadurch nicht mehr aufhalten. Ich glaube allerdings, dass die ganze Welt dafür sorgen muss, dass es den Menschen in ihren Heimatländern besser geht und die Bedrohungen durch eigene Regierungen und Terrorgruppen aufhören, denn nur dann besteht für die Menschen keine Notwendigkeit mehr, ihre Länder zu verlassen und die Flüchtlinge können in ihre Heimatländer zurückkehren, das ist meines Erachtens der richtige Weg. Die Menschen in Deutschland sind dieser gewaltigen Aufgabe gewachsen, aber die Politik muss es nach meiner Ansicht schaffen, dass die Zahl der Flüchtlinge durch geeignete Maßnahmen eingedämmt werden kann.

Lassen Sie uns nun der Toten gedenken. Wir gedenken heute den mehr als 120 Toten und mehreren hundert Verletzten des Terroranschlages in Paris. Unsere Gedanken sind bei den fassungslosen Hinterbliebenen und Angehörigen der grauenhaften Anschläge. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind das Motto der französischen Lebensart, wir erleben, wie schwer dieses zu erreichen ist.

Wir gedenken der Opfer von Krieg und Gewalt: der Soldaten, die in den beiden Weltkriegen gefallen, oder seither vermisst sind, 10 Millionen Soldaten verloren ihr Leben, auch 1,4 Millionen bayerische Soldaten zogen in den Krieg, 200.000 von ihnen sind gefallen

Die Soldatenkameradschaft und hier besonders unser Mitglied Otmar Hoffmann haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Namen am Kriegerdenkmal wieder lesbar zu machen. Was bleibt, sind ihre Gräber, die auch die Deutsche Kriegsgräberfürsorge in 45 Staaten und auf 832 Friedhöfen in aller Welt pflegt,

Wir gedenken

- derer, die im Widerstand, oder die um ihrer Überzeugung oder ihres Glaubens willen Opfer der Gewaltherrschaft wurden.
- der Männer, Frauen und Kinder, die in der Folge des Krieges auf der Flucht oder bei der Vertreibung aus der Heimat und im Zuge der Teilung Deutschlands und Europas ihr Leben verloren.
- der Bundeswehrsoldaten und anderer Einsatzkräfte, die in Ausübung ihres Dienstes ihr Leben ließen.

Wir trauern

- um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage,
- um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung.

Doch unser Leben gilt der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern und auf Frieden in der Welt.